Die Geschichte des Ortes Wollmar

Im Folgenden soll ein kurzer Aufriss gegeben werden, welche geschichtliche Entwicklung der Ort Wollmar erlebt hat.
Quelle: Festschrift zur 1225Jahrfeier vom Juli 2004 Kapitel 3

Inhalt

Ersterwähnung

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes ist in den Akten des Klosters zu Fulda der Jahre 750 bis 779 zu finden. Der Name Wollmar kommt ursprünglich von dem Namen "Wolemare", welcher als Waldquelle oder quellendes Moor gedeutet wird. Zunächst erstreckte sich die Siedlung über den Südhang, gegenüber dem Lohberg und weitete sich erst später bis zur Wollmarebene hin aus.

Die Lebenssituation im Mittelalter

Wie lebte eigentlich der Mensch im Mittelalter in einem Dorf, wie wohnte er, wie ernährte er sich und wie kleidete er sich? Bäuerliche Arbeit war zunächst einmal Feldbestellung, Ackerbau, Weide und Wiesenwirtschaft. Bauernarbeit ist aber immer eine Gemeinschaftsarbeit. Es musste besprochen werden, was am notwendigsten getan werden musste, wann gepflügt und wann gesät werden sollte, wann die beweglichen Zäune zum Schutz der Ernte aufgestellt, wann das Vieh auf die Weide getrieben werden musste und was mit dem Gemeindeland passieren sollte.

Wir wissen, dass die Bauernarbeit eine harte Arbeit gewesen ist, Haus und Hof verlangten tägliche Hilfe und Vorsorge, das Holzsammeln war eine der wichtigsten Tätigkeiten, die Stallfütterung gehörte dazu, Schlachtvieh und Milchwirtschaft. Der Mensch trieb draußen auf den Feldern Raubbau, aber auch das Vieh richtete großen Schaden an, so dass man Zäune errichten musste.

Die Vielgestaltigkeit der Bauernarbeit hat im Mittelalter eine große Zahl von Arbeitsgeräten hervorgebracht, die man heute noch vielfach in Museen sehen kann.

Wie sah zum Beispiel die Arbeit der Bauersfrau aus? Sie hatte sehr viel zu tun; zu einem Bauernhaus gehörte einfach alles, Putzen, Wasser schöpfen, Feuer machen, Vieh versorgen, Käse herstellen, Mähen und Garben binden. Nur die Schäferei war der Bauersfrau versagt. Da man mit den Herden nämlich oft große Strecken zurücklegen musste, blieb das reine Männersache. Dafür hatte die Bauersfrau aber die Aufgabe, die vom Fronhof gestellten pflanzlichen und tierischen Fasern zu Hemden und Hosen im Bauernhaus zu verarbeiten. Wieviel gerade die Bauersfrau täglich zu verrichten hatte, das kann man heute mit statistischem Material natürlich nicht mehr genau belegen , die meisten traten aber ihren Gang wohl morgens früh zwischen 5:30 und 6:30 Uhr an und kehrten dann zwischen 20:00 und 21:00 Uhr abends nach Hause zurück.

Vorher bzw. hinterher hatten sie dann noch die Arbeit im Haus zu verrichten. Dieses Bild des Bauernlebens, dürfen wir eigentlich bedenkenlos auf das fast stadtlose Land des Mittelalters übertragen.

Dem Bauern standen folgende Nahrungsmittel zu: Gerstenbrei, Fleisch und Kraut, an Fastentagen Hanf, Linsen und Bohnen. Hauptnahrungsmittel dürfte wohl ein Mehlbrei gewesen sein, zu dem es meist Obst gab. Erst im 12ten und 13ten Jahrhundert war es in allen Gesellschaftsschichten üblich, Brot zu den Mahlzeiten zu essen.

Ob die Bauern immer warm gekleidet waren, wird man sich fragen. Viel Auswahl hatten sie vermutlich nicht. Der Bauer trug gewöhnlich einen kurzen, aus grobem Zeug gefertigten, Kittel. Selbst beim Adel hatte sich im 13ten Jahrhundert ein Unterkleid und ein Unterhemd noch nicht überall durchgesetzt. Zu kurzen, kaum über die Knie reichenden Hosen, wurde ledernes, durch Bänder zusammengehaltenes Schuhwerk getragen, der sogenannte Bundschuh. Und dieser Bundschuh ist das Zeichen des Bauern, auch in den später folgenden Bauernaufständen. Der Bauer trug das Haar meist kurz geschnitten, das lange Haar blieb dem edelfreien Herrn vorbehalten.

Wie sah das Bauernhaus des Mittelalters aus? Es war meist aus Strohlehm oder aus Holz gebaut, Stein wurde höchstens für das Fundament gebraucht. Das Haus bestand meistens aus einem einzigen Raum; ein Loch in der Decke diente als Rauchfang. Und in diesem einzigen luftleeren, düsteren Raum lebten dann Tiere und Menschen.

In vielen Gegenden Deutschlands war es selbstverständlich, dass die Verheiratung höriger oder abhängiger, leibeigener Bauern beiderlei Geschlechts von der Einwilligung des Grundherrn oder später des Gutsherrn abhing. Für die Bewilligung hatte der Bräutigam das Heiratsgeld oder den Ehezins an die Herrschaft zu entrichten.

Am Ausgang des Mittelalters sah sich der Bauer einem Geflecht ungeschriebener Verpflichtungen und Forderungen gegenüber, das man keinem anderen der Stände im alten Reich zugemutet hatte. Um 1500 war die Vielgestaltigkeit des Abgabewesens von der Landschaft, der Bodenbeschaffenheit oder auch der agrarischen Betriebsform mitbestimmt. Man kann ohne weiteres sagen, die Mehrzahl der deutschen Bauern um 1500 war abhängig von irgendeiner höheren Instanz, sei es einer geistlichen oder weltlichen Herrschaft, einem Landesfürsten oder einem Edelmann.

Geographische und politische Situation

Der landschaftlich geographische Raum in dem Wollmar liegt, gemeint ist also in groben Zügen der Raum Battenberg - Münchhausen - Wetter, war gerade in der Zeit des Mittelalters ein ständiger Zankapfel zwischen dem Kurfürsten von Mainz und dem Landgrafen von Hessen. Erst mit der Verpfändung dieses Raumes durch den Mainzer Kurfürsten im Jahre 1464 an den Landgrafen von Hessen, endgültig bestätigt im Vertrag von Merlau 1583, kann nun von einem eindeutig hessischen Raum gesprochen werden. Gleichzeitig mit der Verpfändung an Hessen im Jahre 1464 geht aber auch die Epoche des Mittelalters mit ihren so zahlreich ausgestellten Urkunden zu Ende und mündet in die nun beginnende Neuzeit ein - etwa ab 1500 - in dem die Landgrafen von Hessen mit einer Neuordnung der Verwaltung beginnen.

Zu Beginn des 16ten Jahrhunderts gingen die hessischen Landgrafen daran, ihren beträchtlich erweiterten Territorialbesitz genau zu erfassen und zu erschließen. Für die einzelnen Verwaltungsbezirke, die sogenannten Ämter, legte man Salbücher an und erfasste in ihnen den gesamten herrschaftlichen Besitz sowie die dem Landesherrn davon zu entrichtenden Abgaben und Steuern von den einzelnen Untertanen. Aus dem Verzeichnis der Mannspersonen im Oberfürstentum Hessen aus dem Jahre 1502 erfahren wir, dass hier in Wollmar 31 Haushaltungen waren, 31 Männer werden hier gezählt, die in Wollmar ansässig waren. Dieses Verzeichnis von 1502 kann man wohl als ältestes Einwohnerverzeichnis von Wollmar ansehen. Unter diesen 31 Namen finden sich zum Beispiel die Familiennamen Lotze, Ebert, Schullerhens und Holzapfel. Namen, die zum Teil auch noch heute in diesem Raum sicher nicht ganz unbekannt sind. Aus dem Dorfbuch für das Oberfürstentum Hessen, einige Jahre später aus dem Jahre 1570, erfahren wir, dass Wollmar, damals noch zum Gericht Münchhausen innerhalb des Amtes Battenberg gehörig, 62 Hausgesessene hatte, also der Ort hatte sich gewaltig vergrößert, allerdings werden die Namen diesmal nicht genannt. Diese 62 Hausgesessene hatten im Kriegsfalle 17 Heerwagen zu stellen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Untertanen auf Aufforderung auch gehende und fahrende Dienste zu verrichten hatten. Außerdem hatten sie noch ein Dienstgeld an die Renterei Battenberg zu zahlen. Wollmar wird in diesem Dorfbuch des Jahres 1570 als Filial von der Pfarrei Münchhausen beschrieben. Leider werden in diesem Dorfbuch die Namen der einzelnen Untertanen nicht genannt. Die Sal- und Dorfbücher des 15ten bis 19ten Jahrhunderts beschreiben im allgemeinen die Verbindlichkeiten der Dörfer und der Gerichte gegenüber ihrem Grund- oder Landesherrn. Man kann sie in gewissem Sinne auch als Besteuerungslisten im Zeitalter der Naturalwirtschaft, die ja vor allem auf dem Lande vorherrschte, bezeichnen. Erst in der frühen Neuzeit, also seit dem 16ten Jahrhundert, werden in zunehmendem Maße Naturalabgaben und Dienstleistungen durch Geld abgelöst. Die Ältesten und Vornehmsten im Dorf hatten die Aufgabe, die zuverlässige Durchführung der vielfältigen Abgaben und Dienste gegenüber dem Landesherrn zu gewährleisten. So standen sie als Dorfvertretung mehr auf der Seite des Grundherrn als auf der Seite der Dorfbewohner.

Kriegseinflüsse im 17ten und 18ten Jahrhundert

So wie der 30 jährige Krieg das 17te Jahrhundert entscheidend geprägt hatte, stand ein weiterer Krieg - gemeint ist der 7 jährige Krieg von 1756 bis 1763 - im Mittelpunkt des 18ten Jahrhunderts. Die Dörfer unseres Raumes wurden erneut arg in Mitleidenschaft gezogen. Sowohl die verbündeten preußisch-britischen Armeen, als auch die französischen Truppen raubten, plünderten und zogen von der Bevölkerung unentwegt Kontributionszahlungen ein. Mehrere Berichte schildern uns die Notlage der Bevölkerung. Diese zog sich oft aus Sicherheitsgründen in die Wälder zurück. Häuser und Viehstallungen standen leer, zumal es auch an Lebensmitteln und Viehfutter fehlte. Aus den erhalten gebliebenen Kriegsrechnungen der beiden Ämter, also des hessen-darmstädtischen Amtes Battenberg, zu dem Berghofen gehörte, und des hessen-kasselischen Amtes Wetter mit Wollmar, lässt sich leicht ersehen, welch ungeheure Summen an Geld zur Unterhaltung der einquartierten oder durchziehenden Truppen aufgebracht werden mussten. So waren in Berghofen und in Wollmar zusammen im Dezember 1760 34 Soldaten unterzubringen. Die Bevölkerung hatte nicht nur diese zu verköstigen, vielmehr mußte sie sich auch noch um deren Pferde kümmern. Die Dragoner vom Regiment Bock, die in diesen beiden Orten einquartiert waren, verlangten unter anderem täglich: 35 Laib Brot, das heißt wohl bei 34 Soldaten, dass fast jeder täglich ein Brot verspeiste. Weiter verlangten die Soldaten, und es heißt wörtlich: "genügend Würste, und vor allem zahlreiche Eimer Bier". Hinzu kamen Hafer und Stroh für die Pferde. Die Gemeinde musste naturgemäß auch die Besoldung übernehmen, falls Einwohner aus dem Dorf zu Botendiensten für das Militär herangezogen wurden. Noch einmal 1762 waren in Wollmar im Zuge des 7 jährigen Krieges Soldaten einquartiert. Der 7 jährige Krieg hatte also erneut Elend und Not über die Bevölkerung gebracht und es war nicht leicht, Schäden und Verluste wieder auszugleichen und zu ersetzen.

Streit mit den Nachbargemeinden

Das Jahr 1553 war gekennzeichnet durch einen erbitterten Streit zwischen den beiden Nachbargemeinden Wollmar und Berghofen. Und zwar ging es über die Nutzung der Grashute. Diese Ortschaften beanspruchten beide die Grashute auf der Ausried. Beide beschwerten sich bei dem für sie zuständigen landesherrlichen Beamten in Battenberg; Wollmar gehörte ja bis 1650 zum Amt Battenberg. Die Wollmarer hatten sich beschwert, dass die Berghofener ihnen die Hutegerechtigkeit in dieser Gemarkung verweigerten und ihnen sogar nachts das Vieh gepfändet hatten. Die Wollmarer nahmen diesen Vorgang nicht etwa hin, sondern sie suchten nachts die Stallungen in Berghofen auf und holten sich von den Berghofener Einwohnern wieder Vieh zurück. Die Streitigkeiten zwischen Wollmar und Berghofen führten sogar zu Schlägereien. Der Amtmann in Battenberg hatte nun die undankbare Aufgabe zu vermitteln. Aus jeder Gemeinde wurden 4 Einwohner nach Battenberg vorgeladen. Der Amtmann ermahnte beide Gemeinden, sich zu vertragen und ordnete an, dass beide die Hute in dieser Gemarkung uneingeschränkt ausüben dürfen. Gleichzeitig untersagte er aber der Gemeinde Wollmar, die Hute in den sogenannten Birken auszuüben; darüber hatte sich wiederum Berghofen beschwert, und in diesem Falle bekam Berghofen recht, da diese Flur einzig und allein der Gemeinde Berghofen zustehe.

Unmittelbar nach dem Ende des 30 jährigen Krieges, das war 1648, begannen 1651 die sich über eine große Zeitspanne hinziehenden Auseinandersetzungen zwischen Wollmar und Berghofen über die Grenze, die ja nun nicht mehr nur eine reine Gemarkungsgrenze war, denn zwischen Wollmar und Berghofen gibt es seit 1650 endgültig eine Landes- oder Hoheitsgrenze. Worüber war nun der Streit zwischen diesen Ortschaften entbrannt? Es ging über die Hute und die Hege im Krötenpfuhl. Eine große Anzahl erhalten gebliebener Akten gibt uns darüber Auskunft. Fast sind es hundert Bände seit dem Jahre 1651. Die Verhandlungen wurden auch auf höchster Ebene zwischen den Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt geführt. Keiner der beiden Fürstentümer wollte den Wald hergeben, durch den ja die Hoheitsgrenze zwischen den beiden Landgrafschaften verlief. Mindestens seit dem Jahre 1583 wird der Wald als ein landgräflicher Wald bezeichnet, der nach dem Frieden von 1648 den Landgrafen von Hessen-Kassel, also hier dem Fürsten, zu dem Wollmar ab 1650 gehörte, zustand. Die beiden Gemeinden hatten, Wollmar diesseits der Landesgrenze, Berghofen auf der anderen Seite, das Recht die Hute und Hege auszuüben. Sie durften aber die Grenzsteine und die an verschiedenen Bäumen angebrachten Grenzzeichen nicht verändern. 1651 kam es nun über die Hute und die Hege im Krötenpfuhl zum ersten erbitterten Aufeinandertreffen (so kann man es ruhig ausdrücken) der beiden Orte. Am 7. August 1651 wandte sich die Gemeinde Wollmar über den zuständigen Amtmann zu Wetter, seit 1650 gehört Wollmar zum Amt Wetter, an den Landgrafen von Hessen-Kassel und beschwerte sich über ein eigenmächtiges Vorgehen der Einwohner Berghofens. Was war geschehen? Einige Wollmarer Untertanen gingen mit ihren Schweinen, um die Eichelmast im Krötenpfuhl durchzuführen auf den ihnen zugewiesenen Teil vor der Hoheitsgrenze. Sie stellten mit großer Verwunderung fest, dass das Gebiet, auf dem sie die Mast ausführen durften, derart klein war, dass etwas nicht stimmen konnte, und die Wollmarer kamen dann, nachdem sie nachgemessen hatten, zu der Überzeugung, dass die Berghofener die Grenzsteine über Nacht ausgegraben und Richtung Wollmar verschoben hatten, so dass also den Wollmarern ein wesentlich kleinerer Teil übrig geblieben war. Außerdem waren die Berghofener so gut vorgegangen, dass sie die markierten Grenzzeichen an den Bäumen ebenfalls abgenommen und andere Bäume Richtung Wollmar mit Grenzzeichen versehen hatten. Die Wollmarer waren also praktisch um ihre Hute- und Mastfläche im Krötenpfuhl gekommen. Man hatte sie ihnen nicht ganz weggenommen, aber sie war derart geschmälert worden, dass sie sich nun an die Regierung in Marburg mit folgenden Worten wandten: "Belanget nun an Euch Eure fürstlichen Gnaden unser untertäniges Bitten. Wollet doch den Befehl geben an den Förster und auch an unsere vorgesetzte Obrigkeit, dass wir in unserem langen hergebrachten Gebrauch und Gerechtigkeiten wieder eingesetzet und das die Berghofener dafür bestraft werden. Untertänigste, pflichtschuldigste, sämtliche Gemeinde Wollmar."
Landgraf Wilhelm VI. teilte der Gemeinde Wollmar mit, dass diese schwere Grenzverletzung im Krötenpfuhl in die allgemeinen Verhandlungen mit Hessen-Darmstadt einfließen solle und dass man sich auf höchster Ebene darüber unterhalten werde. Bereits 1653 kam es aber zu erneuten Beschwerden der Wollmarer über die Berghofener wegen unerlaubter Übergriffe im, der Gemeinde Wollmar zustehenden, hessen-kasselischen Waldanteil. Der Oberförster zu Marburg wurde gebeten, sich den strittigen Grenzverlauf erneut anzusehen. Wir sehen also, hier entbrannte ein Streitthema, dass so leicht nicht beizulegen war.

Noch einmal zu Ende des 17ten Jahrhunderts trat der uns nun schon bekannte Krötenpfuhl in den Mittelpunkt örtlicher Auseinandersetzungen zwischen Wollmar und Berghofen. Aus einem sich von 1669 bis 1714 hinziehenden Schriftwechsel zwischen den Regierungen in Gießen und Marburg belegt ein Protokoll der Marburger Regierung vom 26. August 1699. Der Wollmarer Bürger Johannes Michael Becker war sonntags vor der Predigt auf seine Wiese in der Nähe des Krötenpfuhls gegangen, um sich eventuell eingetretenen Wildschaden anzusehen. Außerdem wollte er, von einem ihm gehörenden Birnbaum, Birnen pflücken, als ihm auf einmal der Battenberger Förster Kasper Klippstein begegnete und ihn fragte, was er hier zu suchen habe. Der Förster verdächtigte Becker der Wilddieberei. Becker wollte umkehren, um doch noch in Wollmar zur Kirche zu gehen, doch gab ihm Förster Klippstein zu verstehen, dass er hessen-darmstädtisches Hoheitsgebiet betreten und verletzt habe und zwang ihn, unter Androhung von Waffengewalt, ihm nach Battenberg zu folgen. Dort wurde Becker inhaftiert und der Wilddieberei angeklagt. Durch Verhandlungen der Beamten der beiden Regierungen in Gießen und in Marburg konnte Becker aber freikommen, da man auf einen Vertrag von 1650 zwischen den beiden hessischen Staaten zurückgreifen konnte, zumal die Jagdgerechtigkeit im Krötenpfuhl alleine den Landgrafen von Hessen-Darmstadt zustand, Hute und Mast aber den beiden Gemeinden Berghofen und Wollmar zu gleichen Teilen. Eine Wilddieberei konnte Becker nicht nachgewiesen werden.

Spannungen mit dem Pfarrer

Pfarrer Justus Milchsack zu Münchhausen beschwerte sich über seine Pfarrkinder zu Wollmar und zu Ernsthausen, die sich weigerten, ihm die jährlichen Mistfuhren durchzuführen und ihm geforderte Schnitter für sein Korn nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Auf Beschwerde des Pfarrers hin wurden von Wollmar ein Hans Koch, ein Hänschen Hofmann, ein Hans Dönges und ein Hermann Kahler am 19. Juli 1667 zum Verhör nach Marburg vorgeladen. Die 4 Männer erkannten die Verpflichtung der Wollmarer zur Leistung von Diensten gegenüber dem Pfarrer von Münchhausen an, begründeten ihre Verweigerung aber damit, Pfarrer Milchsack habe ihnen ja auch nur jeden dritten Sonntag in Wollmar eine Predigt gehalten und nicht, wie vorgeschrieben und vertraglich festgelegt, jeden Sonntag eine. In langwierigen Verhandlungen, die erst 1670 abgeschlossen waren, einigte man sich. Wollmar leistete die geforderten Dienste, der Pfarrer zu Münchhausen musste von nun an wieder jeden Sonntag in Wollmar predigen.